21.05.2018

von Vier Pfoten B° RB

Waldschule für Orang-Utans

Stiftung für Tierschutz. Borneo: VIER PFOTEN eröffnet Waldschule für Orang-Utans

Orang-Utan Baby muss lernen, sich im Regenwald allein zurechtzufinden

Die internationale Stiftung für Tierschutz VIER PFOTEN hat in Ostkalimantan auf Borneo eine Waldschule für verwaiste Orang-Utans eröffnet. Acht junge Menschenaffen im Alter zwischen elf Monaten und neun Jahren werden die ersten Schüler der 100 Hektar großen "VIER PFOTEN ORANG-UTAN WALDSCHULE" sein. Die deutsche Primatologin Dr. Signe Preuschoft und ein indonesisches Team von 15 Tierpflegern, einer Biologin und zwei Tierärzten betreuen die Affen intensiv und bereiten sie auf eine Auswilderung in den Regenwald vor. Alle acht Orang-Utan-Waisen mussten miterleben, wie ihre Mütter grausam getötet wurden. Über ein Jahr lang hat VIER PFOTEN gemeinsam mit der lokalen Tierschutzorganisation Jejak Pulang und der indonesischen Regierung am Aufbau des neuen Rehabilitationsprojekts für Orang-Utans gearbeitet. 

Primatologin Dr. Signe Preuschoft von VIER PFOTEN erklärt: „Ziel des Projekts ist es, die Orang-Utans so auszubilden und zu therapieren, dass sie in ein paar Jahren in einen natürlichen Wald zurückkehren und dort vollkommen frei und unabhängig leben können. Etwa ab dem neunten Lebensjahr kommen Orang-Utans in eine Phase, in der sie verstärkt eigene Wege gehen wollen. Dann bringen wir sie in die Auswilderungsregion, die 'Waldakademie'. Dort bleiben sie unter Aufsicht und Schutz, aber sie sind schon in einem Umfeld, wo sie ihrem Entdeckertrieb und ihrem Unabhängigkeitsdrang freien Lauf lassen können. Wenn dort alles reibungslos funktioniert, dürfen sie danach ein Leben in Freiheit genießen.“ 

Mit dem "Schulbus" in die WALDSCHULE

Der Aufbau des Projekts mitten im Regenwald Borneos ist eine große logistische Herausforderung. Die Infrastruktur der "VIER PFOTEN ORANG-UTAN WALDSCHULE" ist noch im Entstehen. Doch die Orang-Utan-Waisen müssen so früh wie möglich viel Zeit in ihrer natürlichen Umgebung verbringen. Daher fährt eine Gruppe von Orang-Utan-Waisen täglich mit dem „Schulbus“ von ihren Schlafplätzen aus in die WALDSCHULE. Dort lernen sie von ihren menschlichen Ersatzmüttern diejenigen Fertigkeiten, die ihnen ihre leiblichen Mütter nicht mehr beibringen konnten. Auf dem Stundenplan stehen zum Beispiel klettern, Futter suchen und das Bauen eines Schlafnestes. 

Was kommt nach dem "Schulabschluss"?

Die Orang-Utans durchlaufen während ihrer Rehabilitation mehrere Ausbildungsstufen. Als Babys leben sie zunächst in der liebevollen Obhut ihrer menschlichen Ersatzmütter im Babyhaus und besuchen den Kindergarten. Ab ihrem zweiten Lebensjahr besuchen die Kleinkinder die Waldschule. Mit zunehmender Kompetenz werden die Orang-Utans unternehmungslustiger und unabhängiger. Dann wird es Zeit für sie, die Waldakademie zu besuchen. Wann und ob ein Orang-Utan tatsächlich auf sich alleine gestellt in die freie Natur entlassen werden kann, entscheidet das Team von VIER PFOTEN individuell. 

VIER PFOTEN und das Orang-Utan Projekt auf Borneo

Seit über zehn Jahren setzt sich VIER PFOTEN für die Rehabilitierung traumatisierter Orang-Utan-Waisen auf Borneo ein. Nach einer Umstrukturierung der Aktivitäten vor Ort ist die neue von VIER PFOTEN finanzierte WALDSCHULE ein Kooperationsprojekt zwischen VIER PFOTEN, der einheimischen Partnerorganisation Jejak Pulang und dem indonesischen Ministerium für Umwelt und Forstwirtschaft. Neben dem weiteren Ausbau der Infrastruktur sind eine Quarantänestation und ein Baby-Baumhaus für ganz kleine Orang-Utan-Waisen geplant. 

Orang-Utans auf Borneo

In den letzten vier Jahrzehnten wurde auf Borneo Regenwald in riesigem Ausmaß zerstört. Mehr als 150.000 Orang-Utans wurden zu Opfern der Palmöl-, Tropenholz- und Kohleindustrie. Jährlich werden 2000 bis 3000 Orang-Utans getötet, weil man sie als Ernteräuber in Palmölplantagen betrachtet, aber auch ihres Fleisches wegen. Wehrlose Waisen, deren Mütter gezielt getötet wurden, enden als Haustiere. Die Borneo-Orang-Utans gehören zu den kritisch gefährdeten Arten. 

Kurze Vorstellung der aktuellen Waldschüler

Jedes Tier wird von Dr. Preuschoft und ihrem Team je nach Entwicklungsstand speziell gefördert und lernt in seinem individuellen Tempo. Daher sind nicht alle Orang-Utans im selben Jahrgang. Baby Gonda, der mit acht Monaten zu den Tierschützern kam, musste erst langsam lernen, wie sich Orang-Utans im Wald bewegen. „Gonda hat bereits an Muskelkraft gewonnen“, berichtet Dr. Preuschoft. „Mittlerweile kann er schon kopfüber hängen und sich nur mit den Beinen an einem Ast festhalten. Sein Freund Tegar, der vier Monate älter ist, ist viel beweglicher. Er biegt sich kleine Stämmchen zusammen, greift zum nächsten Ast, verlagert seinen Schwerpunkt dorthin und schiebt sich dann so rüber, wie ein richtiger Orang-Utan das macht. Gonda muss noch viel üben, bis er das genauso kann.“ Die dreijährige Cantik und der fünfjährige Eska dagegen üben bereits Fangenspielen in den Baumwipfeln – dabei muss ein Orang-Utan auch berücksichtigen, wie sich das Gewicht seines Partners auf die Schwingung der Äste auswirkt. Die beiden neuesten Ankömmlinge, der elf Monate alte Gerhana und die 18 Monate alte Kartini, werden noch von ihren menschlichen Ersatzmüttern versorgt und gleichzeitig mit den anderen Babys im Kindergarten sozialisiert. 

Die siebenjährige Amaliaund der neunjährige Robin leben derzeit noch in Gehegen. Dr. Preuschoft und ihr Team werden ihr Verhalten und ihre Fähigkeiten in den nächsten Monaten genau beobachten und dann entscheiden, ob und wann sie die Waldschule besuchen können. 

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